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Stablecoins im Fondsgeschäft: Chancen und Voraussetzungen

Stablecoins im Fondsgeschäft: Chancen und Voraussetzungen

Stablecoins haben in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Mit einem globalen Marktvolumen von über 315 Milliarden USD sind sie längst kein Nischenphänomen mehr. Auch im institutionellen Sektor rücken sie verstärkt in den Fokus, allerdings weg vom Image des Spekulationsobjekts und hin zu einem effizienten Werkzeug für Zahlung und Abwicklung.

Für Fondspromotoren lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Nicht weil ein Hype das verlangt. Vielmehr weil konkrete operative Vorteile entstehen können, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Was sich operativ verändern könnte
Der Einsatz von Stablecoins ermöglicht schnellere Abwicklungszyklen bei Zeichnungen und Rücknahmen. Statt klassischer Banküberweisung mit ein bis drei Werktagen Laufzeit können Transaktionen nahezu in Echtzeit erfolgen, und dies über Zeitzonengrenzen hinweg. Das verbessert das Liquiditätsmanagement und kann die Attraktivität eines Fonds für internationale Investoren erhöhen.

Auch die Kostenseite wird oft genannt. Durch den Wegfall einzelner Korrespondenzbanken und kürzere Prozessketten können Transaktionskosten sinken. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt erheblich von der konkreten Fondsstrategie, dem Anlegerkreis und der gewählten Infrastruktur ab. Pauschale Versprechen helfen hier niemandem.

Allerdings sind Stablecoins kein risikofreies Instrument. Fondspromotoren sollten sich der relevanten Fragen bewusst sein, bevor sie in die Umsetzung gehen.

Da ist zunächst das Emittentenrisiko. Nicht alle Stablecoins sind gleich. Deckung, Transparenz und regulatorische Qualität können erheblich variieren. Die Wahl des Instruments ist keine Nebensächlichkeit. Hinzu kommt die technologische und rechtliche Integration. Bestehende Administrationsstrukturen, Verwahrung und Compliance-Prozesse müssen angepasst werden. Das braucht Zeit, Know-how und die richtigen Partner. Notwendig ist auch die Investorenakzeptanz: Nicht jeder institutionelle Anleger ist heute bereit oder in der Lage, Stablecoins als Zahlungsmittel einzusetzen. Dieser Aspekt sollte bei der Produktgestaltung realistisch eingeschätzt werden.

MiCAR schafft erstmals verlässliche Grundlagen in Europa
Ein wichtiger Schritt für die weitere Entwicklung ist die europäische MiCAR-Regulierung. Sie schafft erstmals einen einheitlichen Rechtsrahmen für Stablecoins in der EU und somit auch für deren Einsatz im Fondsumfeld. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Regulatorische Klarheit war lange einer der grössten Bremsfaktoren.

Ein Beispiel dafür, dass dieser Rahmen in der Praxis ankommt, ist CHFAU. Seit Anfang 2026 ist dieser Schweizer Franken Stablecoin vollständig MiCAR-konform verfügbar. Ausgegeben wird er von einem BaFin-regulierten E-Geld-Institut. Für Fondspromotoren mit CHF-Fokus im EWR-Raum ist das eine relevante Entwicklung. Ein reguliertes Instrument in der eigenen Währung war bisher schlicht nicht verfügbar.

Stablecoins, die MiCAR-konform emittiert werden, können grundsätzlich in einem grenzüberschreitenden europäischen Kontext eingesetzt werden. Die Auswahl des richtigen Instruments und eine sorgfältige rechtliche Prüfung bleiben aber unerlässlich.

Liechtenstein frühzeitig reguliert, heute gut positioniert
Liechtenstein hat mit dem Token- und VT-Dienstleister-Gesetz (TVTG) bereits 2020 einen der ersten kohärenten Rechtsrahmen für blockchain-basierte Anwendungen in Europa geschaffen. Das war kein Zufall, sondern eine bewusste politische und wirtschaftliche Entscheidung.

Mit dem europäischen MiCAR-Rahmen bieten sich für Fondspromotoren in Liechtenstein heute interessante Möglichkeiten. Das TVTG ist erprobt, die lokalen Dienstleister haben Erfahrung und der EWR-Marktzugang ist direkt gegeben. Wer an neue Fondsprojekte mit digitalen Zahlungsinfrastrukturen denkt, findet hier ein Umfeld, das diese Überlegungen mitträgt.

Was das bedeutet
Stablecoins sind kein Allheilmittel. Sie lösen nicht alle Probleme im Fondsgeschäft und erfordern sorgfältige Vorbereitung. Aber sie sind auch kein reines Zukunftsthema mehr. Besonders bei grenzüberschreitenden Anlegergruppen und digitalen Geschäftsmodellen steigern sie die Effizienz spürbar.
Fondspromotoren, die sich heute ernsthaft damit beschäftigen, tun das nicht aus Neugier. Sie tun es, weil die Rahmenbedingungen erstmals eine seriöse und effiziente Umsetzung ermöglichen.


Patrik Spiess
Head of Fund & Capital Markets
Bank Frick AG
www.bankfrick.li